Die Kraft des Berges

„Die Vögel sind am Horizont verschwunden. Und Jetzt löst sich die letzte Wolke auf. Wir sitzen beieinander - der Berg und Ich. Bis nur der Augenblick übrig bleibt.“  (Li Po)

Eine Meditation von Matthias Genal

Hinweise

Es ist nicht wichtig die perfekte Vorstellung des Berges, der beschrieben wird, zu erschaffen. Sieht dein Berg anders aus, darf das sein. Es ist Dein Berg! Und wenn es sich stimmig anfühlt, was beschrieben wird, dann kannst du deinen Berg nach und nach transformieren, verändern. Etwas an Deinem Bild ergänzen oder auflösen. Nutze die Kraft der Phantasie, der Veränderung. Und spüre was die Veränderung des Bildes in Dir bewirkt. Vll. ist der Berg erst lebensbedrohlich, schroff, steil. Und vll. wird er dann zu einem sanften, kraftvollen Raum und Ort, zu dem Du - wann immer du es möchtest - zurückkehren und an ihm verweilen kannst. 

Beginn - Entspannung

Du sitzt bequem und schließt sanft Deine Augen. Richte Dein Gehör auf (den Klang der Schale, die Vögel, den Wind in den Blättern der Bäume, das Rauschen des Wassers,…) 

Und Jetzt, nehme Deine Körperhaltung wahr. Du brauchst Nichts an ihr zu verändern. (…Bodyscan bis zu den Schultern…) Vll. spürst Du Etwas wie eine Last auf Deinen Schultern? Etwas, dass Du wie in einem Wander-Rucksack mit Dir trägst? Gedanken und damit verbundene Gefühle? Du darfst  diesen Rucksack mit ihr, mit ihnen - wenn Du magst – Jetzt in Deiner Vorstellung neben Dir ablegen. Alles reinpacken was Du möchtest, was dich stören könnte. Alle Gedanken des Alltags. Nichts Davon wird verloren gehen.

Und Jetzt - Spüre Deinen Atem. Verfolge und beobachte ihn. Vll. spürst Du, wie sich Deine Nasenflügel beim Ein- und Ausatmen heben und senken. Spüre bis wohin Dein Atem geht. Ist er tief oder flach? Langsam oder schnell? Gleichmäßig oder ungleichmäßig? Vll. spürst Du wie sich Deine Brust & Dein Bauch beim Ein- und Ausatmen heben und senken. Nimm Alles wahr, ohne Etwas zu verändern. 

Atme ein… und… Atme aus… Ein… Aus…

Die Reise

Stell Dir vor Deinem geistigen Auge den schönsten Berg vor, den Du kennst, von dem Du gehört hast oder den Du dir vorstellen kannst. Du sitzt bei diesem Berg… Verweile - Bei diesem Bild und in dem Gefühl, das es in Dir hervorruft. 

Werde dir seiner massiven Form bewusst, des aufragenden Gipfels, des tief in der Erdkruste verwachsenen Fußes, seiner Steilhänge oder sanft abfallenden Bergflanken. Fest, Kraftvoll, Majestätisch - Mächtig! Ob aus der Nähe oder der Ferne betrachtet, verkörpert er gleichzeitig eine erhabene, von seiner einzigartigen Form herrührende Schönheit.

Dein Berg hat vielleicht einen mit Schnee bedeckten Gipfel und in den tiefer gelegenen Regionen baumbestandene Hänge. Vielleicht hat er einen einzigen, beeindruckenden Gipfel, eine Gipfelgruppe oder ein Hochplateau. Was immer sein Erscheinungsbild auch sein mag – verweile, sitze und atme mit diesem Bild vor Deinem geistigen Auge - Jetzt, in diesem Augenblick. 

Betrachte ihn, nehme seine Eigenschaften in Dich auf. Nicht so sehr, indem Du darüber nachdenkst, sondern in dem Du sie in Deinem Innern direkt wahrnimmst. Während Du hier sitzt und mit dem Berg atmest, erlaubst Du Deinem Körper sich auszudehnen, so ausladend zu werden wie der Körper Deines Berges. Bis Du mit ihm verschmilzt , Eins mit ihm wirst. Dein Kopf wird zum hoch aufragenden Gipfel, Deine Schultern und Arme zu den Flanken, Dein Gesäß und  Dein Beine zur festen Basis, die  auf Deinem Kissen (oder Stuhl) ruht. Spüre in der Wirbelsäule, die als Achse aus Deinem Becken emporstrebt, das Gefühl, emporgehoben zu werden – bis hinauf zum Gipfelpunkt, Deinem Scheitel. In diesem Augenblick bist Du nichts Anderes als ein atmender Berg, der unerschütterlich in der Stille von Körper und Geist verweilt. Du bist vollkommen Du selbst – jenseits aller Worte, Gedanken und Vorstellungen, eine Gebündelte, Massive, Geerdete, Unerschütterliche Präsenz.

Verweile in dieser neuen Form…. Du befindest Dich jenseits aller Zeit, in der zeitlosen Gegenwart, die „Jetzt“ genannt wird.

Tagein, tagaus verharrt der Berg – der Du Jetzt bist - in unerschütterlicher Ruhe. Während die Sonne über den Himmel wandert, Licht, Schatten, Farben und Wetter sich verändern. Selbst ein ungeübtes Auge kann von Stunde zu Stunde dramatische Veränderungen erkennen. 

Das Licht verändert sich, Tag und Nacht folgen aufeinander….. Der Berg verweilt, ist einfach nur er Selbst. Während die Jahreszeiten ineinander übergehen und das Wetter von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick wechselt, bleibt der Berg der Gleiche. Das Wesen des Berges hält allen Veränderungen stand.

Im Sommer ist der Berg – mit Ausnahme des Gipfels oder vor Sonnenlicht geschützten Spalten, Schneisen und Nordhängen vielleicht -  frei von Schnee... Im Herbst steht er in einem Flammenmeer brillanter Farben…. Im Winter liegt er unter einer Decke aus Schnee und Eis… Manchmal hüllt er sich in Wolken oder Nebel, oder verschwindet hinter einer Wand aus Regen oder Schnee. Enttäuschte Touristen, die sich an seinem Anblick erfreuen wollten, “berühren“ ihn nicht. 

Ob Jemand ihn sieht oder nicht, ob in Sonne oder Wolken, Hitze oder Kälte – Reglos, Unberührt verweilt er, immer der Gleiche, immer er Selbst. Manchmal umtoben ihn Gewaltige Stürme. Schnee, Regen, Winde - von unvorstellbarer Stärke. Der Berg übersteht sie Alle…

In unerschütterlicher Ruhe verweilend.

Wird es wieder Frühling, weht frischer Wind um seine Flanken, zwitschern die Vögel in den Bäumen, strecken Murmeltiere pfeifend ihre Köpfe aus den Löchern, klettern Gämsen – leicht wie eine Feder - die Steilhänge empor. Es sprießt  frisches, zartes, saftiges Grün, die Blumen blühen auf den Wiesen,… Schmetterlinge und summende Bienen lassen sich sanft, wie schwerelos auf ihnen nieder. Es scheint, als genießen sie den Duft des frischen Grases und der Blumen. Das Schmelzwasser lässt die klaren Berg-Bäche und –Seen anschwellen. Von alledem unberührt, verharrt der Berg, unberührt von oberflächlichen Geschehnissen, unberührt von der Welt der Erscheinungen.

Immer der Gleiche, immer er Selbst.

Ohne Zutun und doch kraftvoll fließen die Bäche den Berg hinab. Steilhänge und Plateaus überwinden Sie mühelos. Sie fließen,… sichtbar - an der Oberfläche des Berges  - und unsichtbar. Und der Berg,… erlaubt ihnen, einen Teil seiner Kraft mit sich zu tragen.      

Zurückkommen

Du löst Dich langsam, geschmeidig aus dem Berg. Ihr werdet  wieder Zwei. Du lässt ihn los, er lässt Dich los. Ihr Beide seid -

Unberührt und Unerschütterlich.

Und dann, wirst Du zum Bach und erlaubst Dir, ruhig, treibend den Berg hinab zu fließen. Die Kraft des Berges in Dir tragend. Verfolge Deinen Weg, den des Baches… Du verschwindest lautlos unter der Oberfläche, in Deinem Berg. Der Berg, der Bach verschwinden nach und nach vor Deinem geistigen Auge. Doch ihre Ruhe & Kraft, die Quelle bleiben (in) Dir erhalten. Und an dem Ort wo du Jetzt bist, trittst du - Kraftvoll Sprudelnd -  als Quelle, wieder hervor.  Du bist -

Rein, Klar und Erfrischend.

Du schöpfst Wasser aus dieser Quelle. Nehme einen Schluck (Nimm gerne ein Glas Wasser, einen Schluck) und verfolge seinen Weg bis in Deinen Bauch, in Deine Mitte, in Dein Zentrum, zur Quelle Deiner Kraft. Von dort ausgehend dehnt sich die Kraft in Deinen ganzen Körper aus. Die Kraft Deines Berges, Deines Baches. In  Deinen Oberkörper, Deine Arme und Hände, in Dein Gesäß, Deine Beine und Deine Füße. Bis zum Scheitel und bis zu den Fußsohlen… 

Ende

Bleibe mit dem Gefühl in Deinem Zentrum, der Quelle Deiner Kraft. Spüre den Kontakt zum Boden / zur Unterlage und nehme Deinen Körper  als Ganzes wahr. 

Du bist Ganz.

Du bist Vollkommen.

Du Selbst.

Und atme…. Ein… Und… Aus… Ein… Und… Aus… (…)

Jetzt,… richte – weiterhin, mit dem Gefühl in Deinem Zentrum verweilend - Deine Aufmerksamkeit ins Außen. (…Erlaube Dir, Dich wieder auszudehnen) Spüre Dich in die Umgebung ein. Nehme (wieder) Deinen Raum ein. Und richte auch Dein Gehör ins Außen, auf den (Klang der Schale, der Vögel, des Windes in den Blättern der Bäume, das Rauschen des Wassers…). Öffne langsam Deine Augen und richte Deinen Blick nach Außen. Einen weiten, offenen Blick - ohne speziellen Fokus. Und wenn Du magst, verweile noch… 

Ruhig und Unberührt.

Und falls Du vorhin Deinen Rucksack abgelegt hast, kannst Du ihn Jetzt wieder aufsetzen, wenn Du magst.  

Kraftvoll und Unerschütterlich.

Du kannst ihn auch wo anders sicher verstauen und ihn später oder morgen wieder aufsetzen und mitnehmen. Wenn Du das Gefühl hast, er beinhaltet etwas, was Du loslassen kannst, dann pack es aus und lege es ab. Es löst sich auf, in Nichts.

Ergänzungen

Heute (beim Wandern und auch in Deinem Alltag) kannst Du Innehalten und Dich an das Gefühl erinnern, dass Du Eins mit dem Berg bist, der Berg Eins mit Dir ist. Mit ihm atmen. Mit einem solchen Gefühl und dem Bild des Berges vor Deinem geistigen Auge kannst Du in allen Dingen, die sich in Deinem Leben ständig verändern, die gleiche, unbeirrbare Ruhe verkörpern, in gleicher Weise verwurzelt sein. Du kannst Dich mit der Kraft und Festigkeit des Berges verbinden und sie Dir aneignen, in dem Du (in der Meditation) zum Berg wirst. Du kannst seine Energie spüren und nutzen, um Deinem Bemühen, jedem Augenblick achtsam, ausgeglichen und klar zu begegnen, Kraft zu verleihen. Das Wetter in Deinem Leben nicht zu verleugnen, es zu respektieren und inmitten des Sturms, tiefe innere Ruhe und Stille, vll. auch Weisheit zu erfahren. 

Quellen: Jon Kabat-Zinn, Ulrike Kesper-Grossmann, Susanne Hühn 

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

💓 Auf Wiedersehen - Zàijiàn 🌞

Matthias

📲 0152/52670660 | 💬 Whatsapp | 📧matthias@hetan-dao.de

Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen